Mit viel Liebe zum Detail

Auch in diesem Jahr wird im Modellbau des ehemaligen „Neuen Lagers“ fleißig gewerkelt. Vom schmiedeeisernen Zaunstor, kleinen Laternen, Fenstern und Torbögen bis hin zum grünen Efeu der sich die farbgetreu gestaltete Fassade emporrankt, werden hier mit viel Liebe zum Detail bereits seit 2000 zahlreiche ausgewählte Modelle geschaffen.

Allein im letzten Jahr konnten vier größere Projekte fertig gestellt werden. Bei einigen der Rathäuser, Schlösser oder Türme will man fast die Tür oder eines der Fenster öffnen, um einen neugierigen Blick ins Innere werfen zu können.

„Wir sind bestrebt, die Modelle wirklich echt naturgetreu darzustellen – auch farblich. Und dafür haben besonders die Frauen ein gutes Händchen“, erklärt Dieter Boyrich (69), der als ehrenamtlicher Leiter des Modellbaus vornehmlich für die bautechnische Seite der Arbeiten zuständig ist. „Bei sanierten Objekten ist das relativ einfach“, fügt er hinzu. „Schwieriger wird es, wenn z.B. die Fassade ungleichmäßig verwittert ist. Doch auch bei solchen Problemen ist der Ehrgeiz da, alles im Original-Zustand nachzubilden.“

Gestaltet werden – auch im Hinblick auf den in Königsbrück geplanten Via-Regia-Park – ausschließlich Objekte, die entlang der alten Handelsstraße Via Regia zu finden sind.
Diese beginnt in Kiew und führt schließlich bis nach Spanien (Santiago de Compostela). So führt die Modellbau-Reise unter anderem in Richtung Polen zum Brüderturm Lauban, zum alten Rathaus von Greifenberg (polnisch Gryfow) – welches sich momentan in Arbeit befindet, weiter über Görlitz mit dem Weidhaus, vorbei am Bautzener Reichenturm, Kamenzer Rathaus und der Königsbrücker Hauptkirche. Fortgeführt wird sie mit dem Wilthener Turm und einer Baugruppe mittelalterlicher Fronhäuser in Großenhain, in Oschatz mit der Amtsfronfeste, dem Renaissance-Schloss in Wurzen, der Merseburger Neumarktkirche und weiter Richtung Naunburg, Erfurt, Gotha ... –

So ist es noch ein langer Weg, den es zu beschreiten gilt – sowohl im tatsächlichen, als auch übertragenen Sinne.

Doch die insgesamt 12 Ein-Euro-Jobber bringen Рunter Anleitung von Karin B̦hme Рall ihre Sorgfalt, ihr handwerkliches Geschick und ihre Fingerfertigkeit auf, um die Arbeiten voranzubringen.

Nach den Bauplänen der Gebäude, für deren schwierige, zeichnerische Umsetzung Heide Kurz verantwortlich ist, entstehen so nach und nach anspruchsvolle Modelle, deren Detailgenauigkeit beeindruckt.
In der angenehmen Arbeitsatmosphäre entdeckt so mancher gar Talente und Fertigkeiten, von denen er bisher nichts wusste. „Die Erfolgserlebnisse bauen sich auf mit der Fertigstellung der Architekturmodelle. Man kann sehen, dass die ganze Gruppe der Erbauer mit Stolz ein solches, fertig gestelltes Modell würdigt, und dass sich die Leute darüber freuen, so etwas geschaffen zu haben“, weiß Dieter Boyrich. „Deshalb tut es mir natürlich auch immer sehr leid, dass die Leute nach einem halben Jahr wieder gehen müssen, nachdem sie gut eingearbeitet wurden.“

Momentan in Arbeit sind u.a. das Rathaus Greifenberg in Polen und die Neumarktkirche Merseburg, wie auf den Fotos zu sehen ist. In Vorbereitung ist außerdem das alte Leipziger Rathaus. “Das wird unser bisher größtes Modell. Es wird immerhin 3,60 m lang. Das wird also sehr anspruchsvoll und erfordert viel Detailarbeit”, erklärt Dieter Boyrich. Alle Modelle müssen außerdem im Voraus in Baugruppen eingeteilt werden, damit bei Bedarf Dächer, Türme oder ganze Gebäudeteile abgenommen werden können. “Sonst kriegen wir das Modell zum Schluss nicht durch die Tür”, lacht Dieter Boyrich.

K. Kutsche, Mediadesign im Stadtanzeiger 03/2006

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